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Warum haben Sie das „Memorandum“ unterschrieben?

Am 4.2.2011 hat eine Gruppe von Theologieprofessoren und -professorinnen ein Memorandum verfasst, das zu Veränderungen in der Römisch-Katholischen Kirche aufruft. Der Text dieser Schrift ist hier abrufbar.

Am 7.2.2011 habe ich mir den Text durchgelesen und nach reiflicher Überlegung mit unterzeichnet.


Warum?


Zunächst: Der Genus des Textes ist ein „Memorandum“, eine „Denkschrift“, etwas, was die Lesenden anregen soll, über ein bestimmtes Thema (in diesem Fall über mehrere) nachzudenken. Es ist also kein Forderungskatalog, eine Ansammlung von Postulaten oder ein Erpresserbrief, sondern eine ernstgemeinte Mahnung, die kirchlichen Positionen zu verschiedenen Bereichen neu zu bedenken.


Der genaue Text des Memorandums kann an o.a. Stelle nachgelesen werden. Für mich war für die Unterzeichnung ausschlaggebend, dass alle diese Denkanstöße im Einklang mit der Botschaft des Evangeliums stehen und der Tradition der Kirche an keiner Stelle völlig entgegenstehen - es hat in der zweitausendjährigen Geschichte unserer Kirche für alle diese Vorschläge schon unterschiedliche Zugänge gegeben.

Für mich als Fundamentaltheologen hat hier 1 Petr 3,15f eine sehr hohe Priorität:

 „[...] haltet in eurem Herzen Christus, den Herrn, heilig! Seid stets bereit, jedem Rede und Antwort zu stehen, der nach der Hoffnung fragt, die euch erfüllt; aber antwortet bescheiden und ehrfürchtig, denn ihr habt ein reines Gewissen. Dann werden die, die euch beschimpfen, weil ihr in (der Gemeinschaft mit) Christus ein rechtschaffenes Leben führt, sich wegen ihrer Verleumdungen schämen müssen.“

  

„Rede und Antwort“ stehen bedeutet in diesem Zusammenhang: rational verstehbar machen, was ich als bekennender Katholik tue, und zwar jenen gegenüber, die aus einem ganz anderen Kontext kommen und meinen Glauben nicht teilen. Das heißt: Glaube und Glaubensgründe müssen jeweils übersetzt werden, damit sie einsichtig und nachvollziehbar werden. Und das kann nur in einer zeitgemäßen Gestalt geschehen. Es wäre m.E. eine unverantwortliche Entfernung von den jesuanischen Prinzipien, wollten wir das aufgeben (vgl. Mt 28,19 parr. - wer zu allen Völkern geht und sich verständlich machen will, muss sich auf deren Sprache und Kultur einlassen, ohne die wesentlichsten (!) Glaubensgüter aufzugeben.

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