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Sind Sie gegen den vorkonziliaren Messritus?

Zunächst: Ich halte die Bezeichnung „vorkonziliar“ für schlicht falsch. Die Geschichte der katholischen Kirche ist auch und maßgeblich eine Konzilsgeschichte; und insofern ist jede Zeit eine „vorkonziliare“ - auch unsere heutige. Korrekt sollte man also die offizielle Bezeichnung „tridentinischer Ritus“ verwenden, da dieser mit geringfügigen Anpassungen seit dem Konzil von Trient Mitte des 16. Jahrhunderts existiert.

Ich habe persönlich keinen Zugang zu dieser Form des Gottesdienstes. Aber das heißt nicht, dass ich gegen ihn wäre - er ist als zulässige liturgische Form zu akzeptieren; wichtig ist mir nur, darauf hinzuweisen, dass er wenn schon, dann sorgfältig gefeiert wird. Es sollten dann auch wirklich alle rituellen Elemente, die ihm eigen sind, verwendet werden - eine Vermischung von tridentinischen mit anderen, neueren Elementen wäre nicht gut und würde diese Form des Feierns gewissermaßen wieder ad absurdum führen.


Es gehört zum Reichtum der katholischen Kirche, dass sie eine Vielfalt verschiedener Riten birgt. Der reguläre nach dem II. Vatikanum ist einer davon (und was oft vergessen wird: auch für ihn gilt ja eigentlich Latein als reguläre Sprache; die Verwendung der Volkssprache ist eine zulässige Ausnahme, die zur Regel geworden ist). Der tridentinische ist nun auch wieder einer davon, aber ebenso die Riten der anderen katholischen Kirchen - die römisch-katholische ist ja „nur“ eine in diesem Chor von über 20 Teilkirchen, und auch deren Riten sind zulässige und katholische.

Wichtig ist mir auch, dass die Diskussion um den tridentinischen Messritus auf ein Faktum verweist, das oft unterschätzt wird: Wir können die Liturgie, die (vgl. Sacrosanctum Concilium 10) zugleich Höhepunkt und Quelle für das Handeln der Kirche ist, nicht an einem beliebigen Punkt „einfrieren“. Dann müssten wir uns nämlich Gedanken machen, ob wir 1 Kor 11 als Maßstab nehmen, oder Beschreibungen der Didache oder Justin des Märtyrers und so fort. Liturgie ist etwas Lebendiges, das den Menschen in erster Linie klarmachen muss: Gott will das Heil aller Menschen und macht sich selbst durch Christus im Heiligen Geist gegenwärtig.


Was mir in letzter Zeit immer klarer und wichtiger geworden ist, ist die versöhnende Kraft der Liturgie. Und wenn mir jemand noch so unsympathisch ist, seltsam erscheint oder auch von der politischen oder sozialen Einstellung her himmelweit entfernt wäre: Beim gemeinsamen Feiern rund um den Altar enden die Unterschiede und eine zumindest begrenzte Zeit der Versöhnung ist geschenkt. Deswegen ist jene Aufforderung, den der Diakon zum Friedensgruß spricht, so wichtig: „Schenkt euch ein Zeichen der Versöhnung und des Friedens!“.

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